Lieber Seitenspringer,

 Pierre Mathiasdie Liebschaft zwischen François Hollande und der Schauspielerin Julie Gayet veranlasst mich, einige Gedanken über den Seitensprung zu machen. Erstens möchte ich betonen, dass dies eine private Angelegenheit ist und dass es uns einen Dreck angeht, aber auch ein Präsident ist nur ein Mensch. Bevor wir ihn mit moralischen Sprüchen bewerfen, sollten wir in einen Blick in unseren eigenen Stall werfen, denn in den meisten Beziehungen gibt es Brüche, die zu einem Seitensprung führen können – niemand bleibt davon verschont. In unserer Gesellschaft sind wir Reizen ausgesetzt, die mit einer sogenannten moralischen Haltung kollidieren und es gehört schon eine starke Willenskraft dazu, um sie zu ignorieren. Neben der Lust kommt auch die Liebe. Sie ist völlig unberechenbar und fängt uns mit in ihren Krallen. Wir stehen wehrlos da und können nicht erklären, warum wir so befangen sind. Mit der Ratio hat das nichts zu tun, auch nicht mit der Vernunft und, dass Seitensprünge Schäden verursachen, ist kein Geheimnis. Aber mit guten Worten sind sie nicht zu vermeiden, sie gehören zur Fatalität und das sollten wir so annehmen und das Beste daraus machen.

Keine Ausrede, liebe Seitenspringer, ihr hinterlasst eine schmerzliche Spur, da gibt es keine Ausreden. Der oder die Betrogene sind die Opfer, das ist eine Tatsache. Man sollte darauf Rücksicht nehmen, aber so einfach ist es eben nicht. Wer befangen ist, ist blind und es ist sinnlos, das verleugnen zu wollen. Ob man will oder nicht ist das ein Bruch, der alle Beteiligten in Mitleidenschaft ziehen kann. Ein schmerzhafter Prozess, der mit offenen Karten vollzogen werden sollte – auch, wenn die Wahrheit schmerzhaft ist, besser das als faule Argumente. Liebe ist keine Straftat, die Lüge ja! Die verabscheue ich, liebe Seitenspringer, weil sie die Gefühle kaputt walzt. Wenn es nur um einen Beischlaf geht, ist es das nicht wert, um aus dem Ruder zu kommen. Wer eine Ehe oder eine Familie in Frage stellt, kann sie nicht für ein paar „angenehme Stunden“ gefährden. Bei einer tiefen Liebe ist das anders und das auch wenn sie nur von platonischer Natur ist. Der Betroffene kann sie einfach nicht fern halten und das ist gut so – auch, wenn sie nicht unbedingt geteilt wird. Deshalb kann man sie nicht als einen Seitensprung bezeichnen.

 Die Menschen leben immer länger und die Lebensplanung dehnt sich deswegen aus. Eine Ehe, die früher höchstens dreißig Jahre dauerte, wird immer länger. Wer das Ja-Wort gibt, muss damit rechnen und es stellt sich dabei die Frage, ob die Treue so lange dauern kann? Ist das mit dem menschlichen Wesen überhaupt kompatibel? Hier gibt es wahrhaftig ein Problem. Ist der Mensch überhaupt monogam? Oder braucht er die Seitensprünge, um überhaupt durchhalten zu können? Übrigens, hasse ich dieses Wort, weil es oberflächlich ist. Nein, menschliche Beziehungen sind keine Bagatelle, sie sind zu wertvoll um derart bezeichnet zu werden. Ich würde eher von Leidenschaft und von Liebe sprechen. Wenn sie nicht vorhanden sind, ist es sinnlos, solch einen Weg zu gehen. Wer sich verguckt hat, ist einfach davon besessen und das ist gut so. An ihm liegt es dann Verantwortung zu tragen und wichtig dabei, dass es nicht nur Verlierer gibt.

//pm

Link zum Thema Seitensprung:

 http://de.wikipedia.org/wiki/Seitensprung

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