In Israel spekuliert man derzeit, ob es bald zu einem neuen Krieg kommt. Demnach gibt es innerhalb der Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, unterschiedliche Auffassungen. Der militärische Arm der islamistischen Organisation suche einen Krieg, die politische Führung wolle das nicht. Diese Meinungsverschiedenheit könnte erklären, warum die Hamas einerseits indirekt mit Israel über Waffenruhen verhandelt, militante Palästinenser jedoch weiterhin Angriffe gegen Israel starten.

Vor der jüngsten Eskalation hatte die Hamas zumindest in der Öffentlichkeit keine Anzeichen gegeben, dass sie die Lage deeskalieren wird. Khalil al-Hayya, der stellvertretende Anführer der Hamas im Gazastreifen, gab sich vor der jüngsten Eskalation kämpferisch.

Vertreter der israelischen Regierung denken laut darüber nach, dass die israelische Armee in den Gazastreifen einmarschiert, um einen Regimewechsel herbeizuführen. Israel könnte dabei helfen, die Hamas durch die gemäßigtere palästinensische Autonomiebehörde zu ersetzen. Armeevertreter betonen, Man lege es nicht auf eine weitere Eskalation an.

Zehn Tage später, am 31.07.2018, hört sich das Ganze anders an: Es fehle nur ein Funke, so die Militärexperten. Israel befindet sich derzeit in einem Zwei-Fronten-Konflikt, der sich jederzeit zu einem Krieg auswachsen kann. Zum einen gibt es im und um den Gazastreifen die heftigsten Auseinandersetzungen seit dem Ende des Gazakriegs 2014. Am vergangenen Wochenende gab es Bombardierungen und am Grenzzaun drei Tote – darunter ein erst zwölfjähriger Palästinenser. Zum anderen schwappt der Bürgerkrieg in Syrien auf die israelische Seite hinüber. Hier könnte Israel in eine größere militärische Auseinandersetzung hineingezogen werden, denn die Regierung will mit allen Mitteln verhindern, dass sich Iran in der Region breitmacht.

Vor einer Woche waren die israelischen Streitkräfte erstmals an beiden Fronten aktiv. Fast gleichzeitig bombardierte die Luftwaffe Ziele der im Gazastreifen regierenden radikalislamischen Hamas und Positionen des sogenannten Islamischen Staates (IS) in Syrien, wo Raketenwerfer zerstört wurden. Von dieser noch verbliebenen IS-Enklave waren zuvor zwei Raketen abgefeuert worden, die im See Genezareth und damit auf israelischem Gebiet niedergingen.

Die Zerschlagung des Iran würde Israel die uneingeschränkte Kontrolle über den Mittleren Osten und sein Öl überlassen – es sei denn, Russland oder die Türkei griffen gegen Israel ein, was höchst unwahrscheinlich ist. Einige denken, dass Russland und Israel – und die USA – bereits ein Abkommen zur Teilung des zentralen Mittleren Ostens geschlossen haben.

Scheitern die Gespräche zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten, hat das Pentagon einen intensiven Luftkrieg gegen den Iran geplant, dem Israel und die Saudis sehr wohl beitreten könnten. Der Plan sieht über 2.300 Luftangriffe gegen iranische strategische Ziele vor. Irans Luftverteidigung reicht von schwach bis nicht existent. Jahrzehntelange militärische und kommerzielle Embargos unter der Führung der USA haben sie ebenso herunterkommen lassen und geschwächt wie die des Irak.

China verspricht, trotz der US-Blockade in diesem Herbst weiterhin iranisches Öl zu kaufen. Dies könnte die USA und China auf Kollisionskurs bringen.

Es sieht nicht rosig aus: Falls Trump in puncto Gesprächsbereitschaft mit dem Iran gehofft haben sollte, mit seinem Angebot einen Keil zwischen das reformorientierte Lager um Irans Präsidenten Rohani und den Block der Hardliner um den Obersten Religionsführer Ali Khamenei zu treiben, geht seine Taktik kaum auf: Rohanis politischer Berater Hamid Abutalebi äußerte neulich, wer Dispute „in zivilisierten Gesellschaften“ durch Dialog lösen wolle, müsse sich auch der dazu nötigen Mittel bedienen (sueddeutsche.de).

Was Irans Führung für das richtige Mittel hält, daran ließ Abutalebi keine Zweifel. Die USA müssten in das Atomabkommen mit Iran zurückkehren. Schon diese Bedingung dürfte das von Trump angebotene Treffen unmöglich machen. Der Kommandeur der Revolutionsgarden, Mohammad Ali Dschafariihn, lehnte Gespräche rundheraus ab.

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