Neulich war es im Radio zu hören: Kalifornien: der Bienenklau geht um!

Diebe klauen für gewöhnlich Handtaschen, Portemonnaies, Handys. Manchmal Fahrräder, oder Autos. Aber Bienen?!

In Kalifornien waren es in der Mandel-Bestäubungssaison diesen Februar und März 1734 Bienenvölker. Eine gigantische Zahl!

Ein Fall bringt jetzt sogar einen Mann ins Gefängnis. In Butte County im fruchtbarsten Teil Kaliforniens hat Jacob S. mitten in der Nacht mit Laster und Gabelstapler 64 Bienenvölker abtransportiert – insgesamt 20.000 US-Dollar wert, sie sollten eigentlich die Mandelbäume bestäuben. Er muss jetzt 90 Tage ins Gefängnis, danach drei Jahre Bewährung. Das Diebstahlproblem gerät völlig außer Kontrolle, so der kalifornische Imkerverband.

Das liegt daran, dass Bienen immer wertvoller werden. Während die Landwirtschaft wächst, haben die Imker Schwierigkeiten, ihre Bienen am Leben zu halten. Die Bauern brauchen die Tiere und zahlen immer mehr für ihre Dienste. Imker fahren ihre Bienen Tausende Kilometer durch Amerika. Im Frühjahr bringen sie drei Viertel aller amerikanischen Kolonien nach Kalifornien, wo die Mandelbäume warten, und im Sommer arbeiten sie in den Sonnenblumenfeldern und den Obstplantagen zum Beispiel in Nord und Süd Dakota, Montana und Minnesota. Es gibt sogar Bienen-Makler, die Farmer und Imker gegen Gebühr zusammenbringen. Eine Milliardenindustrie: Imker in den Vereinigten Staaten halten insgesamt rund 2,7 Millionen Kolonien. Zum Vergleich: in Deutschland ist die Honigbiene nach den Rindern und Schweinen das wichtigste Nutztier.

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Das soll Albert Einstein gesagt haben (das Zitat ist leider nicht belegt). Die heutige Forschung hat herausgefunden, dass es nicht ganz so schlimm kommt. Aber die Menschheit müsste auf gut ein Drittel ihrer Nahrung verzichten. Und die Bauern auf viel Geld: Ohne die Bestäubung durch die Tiere verlören allein die US-amerikanischen Bauern rund 17 Milliarden Dollar Umsatz!

Vor rund zehn Jahren begann ein mysteriöses Bienensterben in den Wintermonaten, das bis heute anhält: Imker, die ihre Bienenstöcke prüfen, finden sie leer vor, Honig ist vorhanden, auch Wachs und Waben – aber eben keine Bienen. Die Insekten verschwinden einfach. In den Vereinigten Staaten starben vor 2006 10 bis 15 Prozent der Tiere je Winter, seitdem lag der Schnitt laut US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) etwa doppelt so hoch. Wissenschaftler sprechen vom Colony Collapse Disorder (CCD). Was CCD auslöst, ist noch nicht komplett erforscht, wahrscheinlich ist es eine Kombination verschiedener Umwelteinflüsse. Hauptansatzpunkt sind Pestizide, vor allem die als Bienenkiller bekannten Neonikotinoide. Sie sind in der EU seit einigen Jahren deshalb teilweise verboten. Seit 2010 sinken die CCD-Fälle wieder, Grund zur Entwarnung gibt es aber nicht. Krankheiten und Parasiten können die Bienen ebenfalls töten. Mangelernährung ist genauso ein Problem, gerade in den USA mit den meilenweiten Monokulturen bekommen die Tiere oft nicht genug Abwechslung in ihrer Diät.

Je knapper das Bienenangebot, desto mehr können die Imker und Bienen-Makler für die Bestäubung verlangen. Während ein kalifornischer Mandelbauer für eine Leihkolonie 2006 noch 76 US-Dollar zahlte, waren es im Jahr 2009 schon 157 US-Dollar. In diesem Jahr verlangen die Imker bis zu 200 US-Dollar für die Dienste. So lohnt sich der Diebstahl immer mehr.

Manche Imker statten die Kisten ihrer Bienenvölker inzwischen mit GPS-Sensoren aus und verfolgen auf Smartphone und Computer, ob die Kiste noch da ist, wo sie hingehört. Andere haben Überwachungskameras installiert. Aber die meisten Bienenstöcke sind ungeschützt; leichte Beute! Meist sind die Diebe andere Imker, die ihr Geschäft ausbauen wollen oder deren Tiere den Winter nicht überlebt haben. Bienen zu klauen ist schwierig, wenn man kein Profi ist, die Gefahr von Stichen ist hoch. Bienen sind ein wehrhaftes Volk! Für Imker hingegen ist der Diebstahl leicht. Bienen sehen alle gleich aus, es lässt sich schwer nachweisen, dass ein Volk gestohlen wurde, wenn man den Dieb nicht auf frischer Tat erwischt hat.

Brandzeichen oder Erkennungsmarken für Bienen gibt es nicht.

 

 

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