Wie lange klagen sie eigentlich schon, die Generationen? Jahre, Jahrzehnte?! Die Alten, dass es so etwas früher nicht gab. Es habe Zucht und Ordnung geherrscht, solche Dinge habe man sich nicht herausnehmen können. Und die Jungen, denen die Alten mit ihrem ständigen Moralisieren mit erhobenem Zeigefinger langsam aber sicher – was sage ich? – : schon längst auf den Wecker gehen. Nun, ohne sich in Einzelheiten zu verzetteln, müssen manche Fakten einfach anerkannt werden: Die Welt dreht sich weiter, manches gute Alte ist irgendwann einmal überholt. Schon einmal überlegt: Warum steckt es jeder jungen Generation buchstäblich in den Genen, sich gegen die ältere, wenn es ans Flüggewerden (neuhochdeutsch: Pubertieren) geht, aufzulehnen? Ich bilde mir ein, dahinter gekommen zu sein: Ohne Auflehnung gäbe es keine Veränderung, es bliebe quasi alles gleich. Und nicht umsonst hat uns der Urknall vor Milliarden von Jahren die Zeit geschenkt. Es ist etwas dran, an dem Spruch: „Man muss mit der Zeit gehen!“ Modezaren und Angestellte der Werbeindustrie schlachten jenen gerne für sich aus. Ja, Leben heißt, (sich) zu verändern! Auch wenn es noch zehnmal kuscheliger ist, im gewohnten Muff zu verharren. Schön bequem, wer weiß, was eine Veränderung mit sich brächte?! Nun denn, aber liebe Jungen: Bitte nicht mit dieser Respektlosigkeit; Man muss doch miteinander auskommen! Und wenn einem eine(r) bei dem Versuch, eine Kommunikation zu starten, ständig den verbalen Dolch in Rücken und/oder Herz rammt beziehungsweise einen mimisch weg ignoriert (auch hier kommen Erinnerungen hoch: „Trau keinem über Dreißig!“), dann ist es eben nichts mehr mit dem gedeihlichen Miteinander der Generationen. Die Jugend hat es schwer, früher war alles besser. Ach Quatsch, was war denn besser?! Nichts! Jede Zeit hat ihre Probleme, und wir leben nun einmal 2014 und müssen uns mit den Problemen der Gegenwart herumschlagen. Jugend ohne Perspektive, Resignation schlägt in Lethargie oder Aggression um.

Mal Hand aufs Herz: Haben wir nicht vor Jahren schon das neue Zeitalter ausgerufen?! Jeder und jede kann alles erreichen, eine neue Zeit, mit neuen Anforderungen?! Alte Strukturen gelten nicht mehr in der Ära der Postmoderne. O tempora, o mores! Andere Zeiten, andere Sitten? Frage: Was jammern wir eigentlich? Wir haben genau das, was wir herbeigerufen haben. Jede(r) macht, was er/sie will. Gut, noch ein bisschen außerhalb der Fugen, aber im Groben stimmt´s. Disziplin, Respekt, Autorität: Begriffe unter anderem aus dem Zeitalter der Industrialisierung. Das begann in Europa so in der der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Kinder betrachtete man als kleine Erwachsene, nicht zuletzt waren sie auch billige Arbeitskräfte in Bergwerk und Fabrik. Man benötigte in der Arbeitswelt den hörigen Arbeitssklaven, der die Anweisungen bedingungslos befolgte und in keinem Falle aufmuckte. Ja, „Disziplin und Respekt, bitte! Der Patron, Dein Brötchengeber, hat schließlich Autorität!“. Für Massen billiger Arbeitskräfte, die in die Städte strömten, boten profitgierige Unternehmer eilig errichtete Elends­quartiere. Für welche man natürlich an die Wohltäter wieder Miete zahlen musste. System klar, ja?! Der Arbeitnehmer malochte für wenig Lohn, von welchem er einen gehörigen Teil wieder an seinen Arbeitgeber, gleichzeitig Vermieter, zurückzahlte. So blieb das Geld in der Familie! Und zugleich stifteten die Unternehmer Schulen für die Kinder der Arbeitnehmer. Hier wurde den Kleinen früh die Zucht und Ordnung beigebracht, die sie als Erwachsene später in der Fabrik als zweite Arbeitnehmergeneration brauchten. Damit ist die Sache rund!

Und genau das wollen wir heute nicht mehr! Heute ist Teamarbeit, eigenständiges Denken, Flexibilität in Raum und Geist, sowie globales Wirtschaften gefragt. Zucht und Ordnung bringen da nichts mehr, da uns heute selten einer en Detail sagt, wo es langgeht. Also umdenken: die Älteren brauchen mehr geistige Flexibilität, man muss den Wandel einfach akzeptieren. Jede Revolution ist hart! Und die Jüngeren? Nicht hängenlassen! Mehr Eigenverantwortlichkeit! Wenn ich keine Perspektive sehe, dann muss ich mir eine suchen! Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, es wird nicht leicht. Am Ende dieses Jahrhunderts wird vieles nicht mehr so sein, wie es heute ist. Aber waren die Gegebenheiten im Jahr 2000 so, wie sie 1914 herrschten? Gott bewahre!

Ich glaube, Veränderung ist die Lokomotive des Lebens. Lösen wir eine Fahrkarte! Denn wer den Zug verpasst, steht am Ende alleine auf dem zugigen Bahnsteig. Menschenleer … Irgendwie wollen wir das alle nicht, oder?!

© Thomas Dietsch

 

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