Liebe Ferngesteuerte,

Vor einigen Tagen kurvte ich durch die französische Provinz, weil ichPierre Mathias einige Termine wahrnahm. Die Leute die ich besuchte, wohnen in ganz kleinen Orten, fern ab von jeder Stadt und ohne GPS wäre es sehr mühsam gewesen, das Ziel zu erreichen. Die Lady wusste aber genau, wo es lang gehen sollte: „In 400 Metern biegen Sie nach rechts!“, „Nach dem Kreisverkehr, die dritte Ausfahrt nehmen.“ Für einen alten Bock wie mich, gehört so ein Gerät zu einem Wunder, aber nicht nur – es gab mir Anlass, nachzudenken. Wenn der Satellit haargenau die Position des Wagens ermitteln kann, kann big brother immer erfahren, wo ich mich befinde und auch wenn ich das GPS ausgeschaltet habe, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich durch das Handy auch ermittelt werden kann. Liebe Ferngesteuerte, wenn ihr eure Freiheit bewahren wollt, müsst ihr diese ganzen Spielzeuge zum Müll bringen. Solange es sich nur um einen Service handelt, sind diese Geräte noch hinnehmbar, anders aber, wenn sie als Schnüffler eingesetzt werden.

Ich muss unwillkürlich an die Drohnen denken. Im Gaza-Streifen wurden Führer der Hamas gezielt getötet, auch in Afghanistan werden sie angewandt und das Ganze ferngesteuert. Wenn es so ist, stellt sich die Frage, ob wir auch eines Tages auf solch eine Art eliminiert werden. Das ist vielleicht ein Wunder der Technik, aber human gesehen, ist das eine totale Unterdrückung und sehr beängstigend Wir werden zu Objekten degradiert, die konform funktionieren sollen und wenn immer wieder vom Datenschutz die Rede ist, wird sie zur Farce. Was nützen Gesetze, wenn sie ständig unterwandert werden? Ich betrachte es als ein elementares Recht mich überall aufzuhalten, wo es mir genehm ist. Mit dieser Ortungstechnik liefert man den potentiellen Diktatoren Instrumente, die der Unterdrückung dienen. Technologisch ist GPS ein Wunder, philosophisch eine Katastrophe und da nützt keine Beschönigung.

Liebe Ferngesteuerte, ich möchte mich nicht in eurer Haut befinden. Das Schlimme dabei, ist die Tatsache, dass ihr immer noch den Eindruck habt, euch frei bewegen zu können, aber es ist ein Ziel der Technik unser Gehirn auszuschalten. Die meisten von euch sind Fortschritt-geil und hören nicht zu, wenn Kritik aufkommt. Und die Anderen? Da nur wenige von ihnen davon Notiz nehmen, flüchten sie in die innere Immigration. Auch wenn sie auf das GPS, auf das Handy und das Internet verzichten, ändert sich kaum etwas und in sehr vielen Fällen geißeln sie sich selbst. Die Gesellschaft ist so gestaltet, dass kaum jemand ohne diese Hilfsmitteln durchkommen kann und wir werden mehr oder weniger genötigt, mitzumachen. Wenn ein Schulkind kein Internet hat, sieht es nicht gut aus. Ich bin keinesfalls gegen den technischen Fortschritt, aber möchte selbst bestimmen können, wie ich ihn einsetze oder nicht. Es kann nicht im Sinn der Erfinder sein, Sklaven aus uns zu machen, oder? Liebe Ferngesteuerte, lasst euch nicht fesseln! Es wäre an der Zeit, dass die Philosophie wieder Achtung findet, euch Wege zeigt, wie man mit der Freiheit umgehen soll – Parameter für Drohnen zu vermitteln, kann nicht das Ziel sein.

//pm

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *