Liebe Kunstliebhaber,

immer wieder das Klischee vom armen Poeten, der hungert, friert, nach Ruhm fiebert und von vielen anständigen Pierre MathiasBürgern als Niete betrachtet wird. Nichts gegen die Metzger, aber sie genießen oft einen besseren Ruf als die Künstler. Für viele sind sie Parasiten, die sich wie Dirnen unterhalten lassen und anstatt einen Fick zu bieten, gehen sie mit ihren Werken auf den Strich. Egal ob Schriftsteller, Musiker, Maler oder Bildhauer, sie gehören alle zu der riesigen Schar der Bittsteller. Wer so argumentiert, ist ein Banause. Vergessen wir nie, dass wir den Künstlern unsere Kultur verdanken, sie sind Teil unserer Identität und sollten mit mehr Respekt behandelt werden. Ohne Geistesöffnung, kann es keine stabile Gesellschaft geben und ohne Kultur, kein Geschäft. So merkwürdig es auch erscheinen mag, ist sie der Motor der Wirtschaft. Sie vermittelt das Besondere, das so notwendig ist um ökonomisch erfolgreich zu sein.

Das hatte André Malraux damals erkannt, als er Kulturminister unter de Gaulle war. Er war der Meinung, dass der wirtschaftliche Aufschwung ohne die Kultur nicht möglich sei. Um Regionen zu beleben, hat er ein ganzes Netz von Kulturzentren geschaffen, denn nur so war es möglich, den gebildeten Mittelstand in die Provinz zu locken. Kein technologisches Unternehmen hätte das entsprechende Personal finden können. Unter dieser Prämisse fände ich es ganz normal, dass viele Firmen in die Kunst investieren sollten. Das wäre gesellschaftlich wünschenswert aber auch für das eigene Image und es passiert schon in manchen Fällen, aber noch nicht genügend und wäre auch sehr hilfreich, was den Arbeitsmarkt angeht. Vergessen wir nie, dass viele kulturelle Tätigkeiten von technischer Natur sind. Um dies zu gewähren, müsste es weitere Steuervergünstigungen geben, denn nur, wenn die Beiträge besser abgesetzt werden könnten, gäbe es hier einen Aufschwung. Deutschland kann sich das durchaus leisten!

In Frankreich ist die Kunstförderung besser bestellt. Die jeweiligen Regierungen mischen in viele Fällen mit und sehen ihre Bemühungen als eine Prestige-Angelegenheit. Nicht ohne Grund ist das Kulturministerium so wichtig. Das kreative Schaffen soll zur Staatsraison werden. Die Schwierigkeit dabei ist die Selbstständigkeit der Künstler zu bewahren, es darf keine gelenkte Richtung geben, die politisch geprägt ist. Wer anschafft, hat das Sagen! Gerade hier liegt die Krux, wenn es um die Kulturförderung geht und ich fände angebrachter, dass Gelder von verschiedenen Quellen fließen würden. Deswegen auch der Appell an die private Wirtschaft, mitzumachen – es wird immer ein Geben und ein Nehmen sein. Die Rolle der Kunstschaffenden wird sein, einen Mehrwert für den Mäzen oder den Sponsor zu ermitteln und das bedeutet, dass der Künstler in der Pflicht ist, wenn er Mitteln anfordert und er das Interesse des Gebers zu berücksichtigen hat. Oh weh, hier wird es heikel! Und doch läuft es nicht anders, wenn der Künstler nicht weiter wie der arme Poet dahin vegetieren will. Ja, Kunst muss gefördert werden und das, ohne den Schaffenden in eine Larve zu verwandeln. Ist das überhaupt möglich?

//pm

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