2019, es drängt sich buchstäblich auf: die 1920er, was war das für ein Jahrzehnt? Was für eine Dekade kommt mit den 2020ern auf uns zu? Wer sich mit der deutschen Geschichte befasst, kommt nicht darum herum, im heutigen Blick auf die „Goldenen Zwanziger“ auch ein gehöriges Maß an Romantisierung zu erkennen. Es ist schon falsch, den Begriff auf das gesamte Jahrzehnt anzuwenden, denn an der Zeit vom Kriegsende 1918 bis zum Jahr 1924 war so gut wie gar nichts „golden“.

Die Gegenwart in der Hauptstadt Berlin war durch die Krieg und seine Folgen bestimmt. Den Vertrag von Versailles, der Deutschland und seinen Verbündeten die alleinige Verantwortung am Krieg zuschrieb, die mit ihm verbundenen Reparationszahlungen und Gebietsverluste empfanden viele als schwere Zumutung. Schwerer für das alltägliche Leben in der Hauptstadt aber wog die Allgegenwart von Armut, Arbeitslosigkeit und Existenzangst. Bettelnde Kriegsinvaliden saßen an den Straßenecken, die Säuglingssterblichkeit erreichte Rekordwerte (morgenpost.de), Epidemien und Krankheiten machten die Runde. Vor diesem Hintergrund war auf der Straße eine politische Radikalisierung zu beobachten, die in der Ermordung des jüdischen Außenministers Walther Rathenau durch Mitglieder der rechtsextremistischen „Organisation Consul“ am 24. Juni 1922 ein noch heute erschütterndes Fanal fand.

In den Tanzstuben, Varietés und Ballsälen herrschte eine neue Freizügigkeit, wie überhaupt die öffentliche Beschäftigung mit Sexualität einen, nun ja, Höhepunkt fand. Bereits 1919 hatte der aus einer jüdischen Familie stammende Arzt Magnus Hirschfeld an der Beethovenstraße in Tiergarten sein „Institut für Sexualwissenschaft“, eröffnet, das weltweit erste und einzige seiner Art. Erst 1933 wurde es im Zuge der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen geplündert und geschlossen.

In der Vorschau auf 2020 werden die vermeintlich „goldenen Zwanziger“ vor hundert Jahren zitiert. manche Parallelen sind durchaus sichtbar: Krisenerfahrung und große Dynamik, technischer Fortschritt und politische Verhärtung.

Wir wollen uns orientieren, suchen Halt in der Vergangenheit. Ein bisschen ist das mit den 20er-Jahren so wie mit dem 100-jährigen Kalender, dem Bauernkalender. Früher guckte man auf dem Land da rein. Da stand dann drin, vor 100 Jahren, am 31.12.1896, da war das Wetter so und so, und dann wird es vielleicht auch wieder so werden. Genau dieser Mechanismus ist diese Orientierung

– wir wissen nicht, wie die Zukunft wird, dann gucken wir mal, wie es vor 100 Jahren war und lassen uns davon ein bisschen leiten (Paul Nolte in deutschlandfunkkultur.de). Wenn wir jetzt auf die 20er-Jahre schauen, eigentlich unsere Krisenerfahrung des vergangenen Jahrzehnts, der 2010er-Jahre, mit dieser großen Finanz- und Flüchtlingskrise, Klimakrise, Demokratiekrise, Populismus. All diese Krisen der 2010er-Jahre projizieren wir auf die 2020er-Jahre, auf das, was uns bevorsteht.

2019 geht zu Ende und mit ihm ein Jahrzehnt, das irgendwo zwischen Digitalisierung, Globalisierung und dem Tanz ums Klima viel durcheinandergewirbelt hat. Ja, richtig – man könnte einwenden, dass die neue Dekade erst 2021 beginnt. Aber das ist bei dem Umgang mit diesen Zahlen eher nebensächlich. Finden wir uns damit ab: Wir betreten datumsmäßig jetzt bedeutenden Grund. Zum ersten Mal in diesem Jahrhundert hat ein Zeitraum einen vernünftigen Namen – die „20er-Jahre“, unsere 20er!

Die Latte der Erwartungen liegt. Denn mit den 20ern des vorherigen Jahrhunderts hat die Mode begonnen, unser Leben mehr oder minder in Zehn-Jahres-Schritten zu vermessen (ndr.de). Hier hat das 20. Jahrhundert so richtig Tempo aufgenommen – und wir bleiben diesem Sog auch lange nach dessen Ende verhaftet. Nur ganz anders. „Die Zeit fährt Auto“ – so brachte Erich Kästner die vielfachen Veränderungen in Politik, Technik, Kultur und Lebensstil nach dem Ende der Monarchien in Mitteleuropa auf eine Formel. 100 Jahre später geht es vielleicht eher darum, die Geschwindigkeit in Datensätzen zu messen. Und nebenbei stellt sich wohl auch die Frage, ob Autofahren überhaupt noch ein angemessenes Verhalten sein kann.

Geschichte wiederholt sich nicht und der Zahlenstempel auf einem vergangenen Jahrzehnt sagt nichts über unsere Zukunft aus.

Die heutige Situation ist nicht mit der von vor 100 Jahren zu vergleichen, weder wirtschaftlich, noch politisch, noch sozial. Zwar ist auch heute die Welt in Bewegung und Aufruhr. Doch die immer wieder zu hörenden Vergleiche zu den Anfängen der Nazi-Zeit sind zu pauschal und oberflächlich und halten keiner ernsthaften Überprüfung stand. Während die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts durch den Konflikt großer Ideologien gekennzeichnet waren, besticht das 21. Jahrhundert eher durch das fast vollständige Fehlen derselben (Matthias Heitmann in cicero.de). Die heutige Gesellschaft ist, was ihre Politisierung angeht, der komplette Gegenentwurf zu den 1920er-Jahren.

Guten Rutsch!

In den meisten Ländern der Erde ist der Neujahrstag der Tag nach dem Neujahrsfest, das meistens Silvester genannt wird. Ja nach Kultur und Religion variiert aber das Datum des Neujahrstags. So wird z. B. Neujahr nach dem chinesischen Kalender meist Ende Januar bzw. Anfang Februar gefeiert. Der zeitliche Unterschied beruht auf dem gebundenen Lunarkalender (Lunisolarjahr). Nach diesem Kalender fällt das Neujahrsfest immer auf einen Neumond. Durch die Verwendung eines reinen Mondkalenders verschieben sich beim Islam alle Feste jährlich ca. um 11 Tage rückwärts.

In Deutschland ist Neujahr ein gesetzlicher Feiertag. Das bedeutet, an diesem Tag haben die meisten Arbeitnehmer frei.

Warum ist gerade am ersten Januar Neujahr? Das war nicht immer so! Papst Innozenz XII. legte 1691 fest, dass der 1. Januar der Neujahrstag sein soll. Davor feierten Christen den Neujahrstag am 6. Januar, später am 25. Dezember als Jahresbeginn. Heute noch heißt in den Alpen der 6. Januar „Großes“ oder „Hohes Neujahr“. Denn für die Bergbauern beginnt erst jetzt das „richtige Neujahr“.
Im römischen Kalender wurde der 1. Januar schon anno 46 vor Chr. offiziell zum Jahresbeginn erkoren. Im Mittelalter ist am Neujahrstag das „Fest der Narren“ gefeiert worden. Bürger und Priester stülpten sich Larven über den Kopf und trieben Unfug. Dieses Fest gibt´s heute nicht mehr, es wurde vom Fasching übernommen.

Ein weit verbreiteter Brauch ist der Silvester- bzw. Neujahrsgruß, bei dem man sich „Ein gutes und gesegnetes neues Jahr!“ wünscht. Oft wird auch mit dem berüchtigten „Prost Neujahr“ angestoßen. Dabei ist das Wort „Prost“ lateinisch und bedeutet übersetzt: „Es möge gelingen“.

Unsere Zeitrechnung, die sich von der Jahreszahl auf die mutmaßliche Geburt Christi bezieht und den 1. Januar als ersten Tag und den 31. Dezember, also Silvester, als letzten Tag des Jahres hat, mag für uns eine Selbstverständlichkeit sein. Sie galt und gilt jedoch keineswegs bei allen Völkern und in allen Kulturen der Erde. Auch die Anzahl der Tage im Jahr, die nach unserem Kalender 365 und in einem Schaltjahr 366 beträgt und damit einem Sonnenjahr entspricht, ist nicht überall gültig.

Neujahr, das erste der Feste im Kalenderjahr, war in der Geschichte und ist auch heute noch weniger ein kirchliches als ein weltliches Fest. Wie antike Geschichten römischer Autoren berichten, war es in Rom Neujahrsbrauch, dass zu diesem Anlass ausschweifende Feierlichkeiten mit Essgelagen, Trinkgelagen und Opfergaben stattfanden. Von den Christen wurde dieses heidnische Treiben der Bürger Roms zum Neujahrsfest zunächst gänzlich abgelehnt. In der Bevölkerung blieben die römischen Neujahrsbräuche aber auch erhalten, als das Christentum im 4. Jahrhundert römische Staatsreligion und damit zu einer Massenbewegung geworden war. Die Kirche in Rom versuchte gegen diese Bräuche und Riten mit Tanz, Essgelage und Trinkgelage anzugehen, indem sie den Neujahrstag zum Bußtag und Fasttag erklärte und die Christen zur Teilnahme am Gottesdienst bewegen wollte. Doch weder Mahnungen noch Drohungen fruchteten.

In China wird, anders als in vielen Ländern, der 31. Dezember nicht gefeiert. Das chinesische Neujahrsfest „Chunjie“ berechnet sich nach dem Mondkalender. Dadurch fällt es auf den Neumond zwischen dem 21. Januar und 21. Februar. Am Vorabend beginnt eine große Vökerwanderung, was regelmäßig ein großes Verkehrschaos im Land auslöst. Die ganze Familie versammelt sich zu einem gemeinsamen Abendessen. Tradition ist es, vor Beginn des Neujahrfestes das Haus mit Bambuszweigen zu putzen. Es soll böse Geister vertreiben und alte Lasten im vergangenen Jahr lassen. Wichtig ist, dies vor dem Neujahrstag zu machen, da man sonst das Glück mit hinauskehrt.

Es gibt mitunter ganz verrückte Rituale. In Italien gilt rote Unterwäsche in der Neujahrsnacht als Pflicht. Soll Glück und Erfolg bringen. Viele Spanier schieben sich um Mitternacht bei jedem Glockenschlag eine Traube in den Mund. Wer sich verzählt, dem steht Unheil bevor. In Tschechien gibt es den alten Brauch, einen Apfel zu halbieren und am Butzen das Schicksal abzulesen. Bilden die Kerne ein Kreuz, droht Unheil, in Sternform stehen sie für Glück. Auf den Philippinen springen um Mitternacht Kinder möglichst hoch in die Luft. Das soll für das neue Jahr ihrem Wachstum einen Schub verleihen. Und in Bulgarien geht es mit Schlägen auf den Rücken ins neue Jahr. Soll Gesundheit und Reichtum bringen. Dafür wird ein Ast des Kornelkirschbaums bunt geschmückt, der damit zu einer „Surwatschka“ wird.

Jedes Jahr das gleiche Theater: Silvester- oder Sylvestergrüße?

Im Englischen wird der Jahreswechsel als „New Year´s Eve“ bezeichnet, weshalb eine eindeutige Verbindung zum Jahreswechsel auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist.

Die Assoziation des Jahresendes bei uns mit dem Namen Silvester (deutsch „Waldmensch“, von lateinisch silva „Wald“) geht auf das Jahr 1582 zurück. Damals verlegte die Gregorianische Kalenderreform den letzten Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember, den Todestag des Papstes Silvester I. († 31. Dezember 335).

Das Ypsilon hat sich bei uns irgendwann eingeschlichen, und zwar in Bayern. Das geht zurück auf König Ludwig I., der am 20. Oktober 1825 anordnete, dass die ursprüngliche Bezeichnung Baiern fortan durch Bayern zu ersetzen sei. Der Wandel zum griechischen Ypsilon ist wohl mit der Verehrung des Griechischen zu erklären.

Ob nun Silvester oder Sylvester, die Bedeutung ist identisch und beide Varianten werden als Name getragen. In Europa scheint es allerdings so, dass die Variante mit „i“ verbreiteter ist. Dennoch ist die Schreibweise beim Namenstag keine Entscheidungsfrage, sondern eindeutig festgelegt und so heißt der Jahreswechsel im Deutschen Silvester, wohingegen Sylvester falsch und als Fehler zu werten ist.

Böller an Silvester: Abschaffen geht nicht?

Einer aktuellen Umfrage zufolge hat er mit dieser Entscheidung eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger hinter sich. Laut einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov (2.000 Teilnehmer) befürworten 57 Prozent aus Umwelt- und Sicherheitsgründen ein Verbot von Böllern zu Silvester. 36 Prozent sprechen sich gegen ein Verbot aus, sieben Prozent sind unschlüssig (welt.de).

Ein bisschen Geschichte: Vor Christus gab’s noch kein Feuerwerk, aber Feuer – und sogenannte Feuerfeste waren schon bei den Römern Tradition, nachdem der Jahresbeginn von März auf Januar verschoben wurde. Das Feuerwerk? Das gehört zum Jahreswechsel dazu. Schon die alten Germanen ließen es in der Nacht zum ersten Januar richtig krachen, aber nicht, um das neue Jahr zu begrüßen, sondern weil sie sich vor der Dunkelheit und bösen Geistern fürchteten. Um diese zu vertreiben, machten sie Lärm und zündeten Holzräder an – aus diesem Brauch wurde das heutige Silvesterfeuerwerk.

Vor rund 1.200 Jahren wurde das Pulver in China erfunden. Wissenschaftler vermuten (mdr.de), dass im 6. oder 7. Jahrhundert taoistische Mönche die zufälligen Erfinder waren. Während sie im Auftrag des Kaisers an einem Elixier für die Unsterblichkeit tüftelten, mischten sie probeweise auch die explosive Kombination aus Kohle, Schwefel und Salpeter zusammen – damit begann die Geschichte des Feuerwerks.

Im 14. Jahrhundert brachten arabische Händler das Feuerwerk nach Europa. Hier entwickelte sich die Feuerwerkskunst stetig fort. Besonders in der vergnügungssüchtigen Zeit des Barock gehörte es an den europäischen Höfen bald traditionell zum guten Ton, bei Festen und Feierlichkeiten seine Gäste mit einem Feuerwerk zu unterhalten. Vor allem italienische Feuerwerker brachten es zu Ruhm und Ehren.

Das Umweltbundesamt erwartet zu Silvester die Freisetzung von rund 4.500 Tonnen (stern.de) Feinstaub – kleinste, für das menschliche Auge meist unsichtbare Teilchen.

Einige deutsche Städte haben ein Böllerverbot in bestimmten Bereichen eingeführt – darunter 23 Städte, die zuvor von der Deutschen Umwelthilfe kontaktiert wurden (t-online.de).

Wer sich nicht an Feuerwerksverbote hält, riskiert empfindliche Strafen. Das Zünden von Feuerwerk außerhalb von Silvester kann ohne Genehmigung bis zu 10.000 Euro Bußgeld kosten.

Silvester und Feuerwerk – das ist Tradition. Kann man so etwas abschaffen?! Der Umwelt zuliebe? Gibt es denn Alternativen? Die Antwort ist: Ja!

Drohnenshows gelten als umweltfreundlicher als Feuerwerke. Die Show passt deshalb perfekt zur aktuellen Klimadiskussion. Ganz ohne Krach und ohne Rauchschwaden, die den Schaulustigen die Sicht nehmen. Die erste deutsche Vorführung kostete die Stadt Frankfurt am Main rund 400.000,– Euro (faz.net, 14.09.2018) zur Eröffnung der neuen Altstadt.

Ja, was sage ich? Guten Rutsch!

 

Das Internet vergisst nichts, heißt es und das stimmt auch. Ich beobachte schon seit langer Zeit die Unsterblichkeit der Sterblichen. Sie bleiben frisch und munter, präsent für die Ewigkeit, obwohl die ewig schon nichts mehr von sich haben hören lassen. Und geschrieben haben die auch nichts.

Es kommt noch schlimmer, konnte ich beobachten – und stelle mit Verwunderung und leichtem Entsetzen fest, dass es jede Menge Leute gibt, die mit den Toten rege kommunizieren, Fragen stellen und so tun, als ob nichts wäre. Ich frage mich ernsthaft, ob sie überhaupt schon bemerkt haben, dass sie mit einer verstorbenen Person interagieren. Sie erwarten wohl auch keine Reaktion in ihrer Oberflächlichkeit und ich sitze kopfschüttelnd da und wundere mich. Sagt mal, habt ihr sie noch alle?

„Na, das ist ja kein Wunder“, werden Sie jetzt sagen, „woher sollte man das auch wissen?“ Wenn eine Weile gar nichts passiert, gehe ich auch erst einmal nicht davon aus, dass hier jemand sein Leben gelebt hat und leider nicht mehr lebt. Aber, wenn auf deren Internetseiten oder Profilen so was, wie „R.I.P. „ oder „Er/ sie ist von uns gegangen“ steht, dann halte ich es für eine scheußliche Oberflächlichkeit, wenn das nicht einmal registriert wird. Ich sah sogar schon einmal eine Todesannonce mit Datum des angesetzten Begräbnisses und ein Mann kommentierte: „Lass´ uns am Wochenende mal die Sau rauslassen“, gekoppelt mit dem Video „Move Your Ass“. Meinte er das etwa ernst?

Tote im Netz werden auch gerne von den Angehörigen lebendig gehalten. Ich finde Jugendfotos, intimen Tratsch… Dinge, die diese Person zu Lebzeiten getan hat, leben erneut auf und wir alle hören seine/ ihre Lieblingsmusik. Da können wir so richtig mitgrooven und uns vorstellen, wie der/ die Verstorbene ausgelassen getanzt hat, eben richtig die Sau rausgelassen – was er/sie ja nun bedauerlicherweise nicht mehr tun kann. 

Am schlimmsten finde ich die Online-Bestattungen bei denen ich eine virtuelle Kerze anzünden kann. Ich sehe sie auch schon brennen und trage mich brav und ehrfürchtig ins virtuelle Kondolenzbuch ein, damit der/ die Tote immer – auf Leb- und sogar in Todeszeiten – mit mir verknüpft ist. Jetzt fehlt mir eigentlich nur noch die Vorstellung, wie wohl sein Sarg oder die Urne aussehen mag oder ausgesehen hat, als es soweit war. Dafür gibt es bestimmt bald ein Online-Bestattungshaus, das nicht nur die Sargmöbel, sondern auch die virtuellen Grabgestecke und -kränze anbietet. Das finde ich wirklich sehr praktisch, denn so hört wenigstens die ganze elende Rennerei in die Bestattungshäuser auf und wir überlassen den Leichnam den Krankenhäusern, tun unsere Pflicht vom Schreibtisch aus und alles ist erledigt. Sauber, ohne Ruß und schlammige Erde. Ab in die Kiste damit und wir können immer mal wieder auf den Online-Friedhof schleichen und uns ein Bild davon machen, wie es dem/ der Toten so geht. Und damit das Ganze dann auch authentisch und traurig ist, spielen wir nebenbei seine Grabrede als mp3 ab. Fein.

Ja, und wenn wir das Ableben gar nicht verkraften können, finden wir den Leichnam wieder lebendig im Netz, denn seine virtuellen Freunde haben´s leider immer noch nicht kapiert, dass der Typ da schon lange tot ist. 

  

© Petra M. Jansen

 http://literatourpoetictext.blogspot.com/

Festtage nahen, Weihnachten.

Kinderherzen schlagen höher,

auch die der Unternehmer.

Mammon ruft,

wer soll das alles gebrauchen?

 

Im Portemonnaie ruft es:

„Lass mich raus!“.

Die Händler wollen unser Bestes,

unser Geld!

Alle werden sie glücklich sein.

 

Schnöde ist es jedes Jahr,

das Fest mit dem Baum.

Man kann ihn kaufen, mit

19,7 oder 5,5 Prozent

an Umsatzsteuer.

 

Alles will geregelt sein,

für die glückliche Zeit.

St. Kommerzius naht,

heißt ihn willkommen.

„Halleluja!“, jubeln alle.

 

Kerzen leuchten,

Kugeln glitzern.

Alles so schön anzuschauen.

Man vergisst den Alltag,

Geist und Seele sind geblendet.

 

Schönheit und Fassade,

wie leicht gehen sie einher!

Außen so schön,

innen ganz hohl.

Wo ist das Wesen der Dinge?!

 

Seinerzeit ward ein Kind geboren,

ein König, sagt man.

Seinen Geburtstag zelebrieren wir.

Kennt ihn jemand?

Feste feiern, wie sie fallen …

 

Übrig werden bleiben

Gejammer, Müllberge und Plastik.

Jeder weiß es, keiner ändert das.

Warum auch, vielleicht gut so.

Ist doch schön …

 

Das Fest der Liebe,

Kerzen brennen herunter,

Bäume kommen auf die Straße.

Es wird neu dekoriert.

Zeit der Besinnung!

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Weihnachtsmann, Christkind und Nikolaus? Alljährlich an Weihnachten treten die beliebten Figuren dieser Zeit in Erscheinung.

Traditionell bringt der Weihnachtsmann am Heiligabend unzählige Kinderherzen zum Leuchten. Mitunter wird aber ebenfalls von dem Christkind als Geschenkbote gesprochen. Nikolaus wird auch mit den Weihnachtssitten in Verbindung gebracht.

Nikolaus und Weihnachtsmann: Wo liegt der Unterschied? Und wer ist das Christkind? Um darauf zu antworten, muss man den Anfang des Geschenkebrauchtums kennen, denn der begann mit einem Heiligen, Bischof Nikolaus von Myra.

Nikolaus von Myra wurde im Jahre 270 in der heutigen Türkei geboren. Er hat wirklich gelebt und wurde schon im Alter von 17 Jahren zum Bischof ernannt. Insbesondere sein gütiger Charakter brachte ihm eine große Beliebtheit ein und es ranken sich verschiedene Mythen darum, dass er zeit seines Lebens gute Taten vollbracht hat.

Dazu gehören angeblich die Rettung unzähliger Kinder und das sichere Geleit von Seefahrern, die in Not geraten waren. Dadurch wurde Nikolaus von Myra nach seinem Tod am 6. Dezember 345 heiliggesprochen. In Bezug auf die weihnachtliche Geschenktradition hat die Geschichte um drei mittellose Jungfrauen eine entscheidende Bedeutung. Ihnen soll der Bischof heimlich bei Nacht drei goldene Kugeln in das Zimmer gebracht haben, damit sie ihre Mitgift zahlen und der Prostitution entgehen konnten. Daraus formte sich das Ritual. Ursprünglich kamen hierbei nur Äpfel, Nüsse oder Gebäck zum Einsatz. Dies wurde den Kleinen am Nikolaustag nachts in ihre Strümpfe und Schuhe gelegt.

Das ursprüngliche Christkind ähnelte optisch zunächst dem neugeborenen Jesuskind. Doch die Figur verselbstständigte sich im Brauchtum zunehmend: Es entstand die Vorstellung von einem engelsähnlichen Wesen, das vom Aussehen nicht mehr viel mit Jesus gemein hatte. Möglicherweise rührt diese Tatsache daher, dass früher in Krippenspielen und weihnachtlichen Umzügen das Christkind von einer Engelsschar – in Anlehnung an den Verkündigungsengel – begleitet wurde. Auch eine Verbindung zur Heiligen Lucia ist denkbar, deren Fest am 13. Dezember gefeiert wird. Noch heute ist es – vor allem in skandinavischen Ländern – Brauch, dass Mädchen an diesem Tag weiße Gewänder und einen Lichtkranz auf dem Kopf tragen. Hier ergibt sich eine verblüffende optische Parallele zum Christkind. Nachdem anfangs nur Protestanten dem Brauchtum um die Figur folgten, verbreitete sich das Christkind später auch in katholischen Gebieten – und löste dort den Nikolaus ab.

Übersetzt bedeutet ihr Name „die Leuchtende“ (katholisch.de). Historisch belegt ist nur sehr wenig. Als gesichert gilt ihr Geburtsort, sie wurde als Tochter eines reichen Kaufmanns um 286 nach Christus in Syrakus (heute Siracusa) auf Sizilien geboren.

Nachdem der Vater gestorben und ihre Mutter Eutychia krank geworden war, machte Lucia mit ihr eine Wallfahrt nach Catania zum Grab der heiligen Agathe, um die Schutzpatronin um Hilfe zu bitten. Die Mutter wurde gesund und erlaubte der Tochter daraufhin, die geplante Hochzeit mit dem heidnischen Verlobten abzusagen, um ihr Leben ganz Jesus zu widmen. Daraufhin schenkte Lucia ihre Aussteuer den Armen. Mit der Absage der Heirat besiegelte die junge Frau ihr Schicksal als Märtyrerin: Ihr Verlobter verriet sie aus Zorn an den Präfekten.

Es gibt zahlreiche widersprüchliche Überlieferungen von Lucias Marterqualen: Von einem Ochsenkarren zu Tode geschleift oder als Strafe für ihr Festhalten am Glauben in einem Ochsengespann in ein Bordell gebracht werden. Alle Quellen sind sich aber einig, dass die Tiere sich nicht von der Stelle rührten und auch aus Menschenkraft ließ sich der Wagen nicht ziehen. Selbst heißes Öl, das über Lucia auf Befehl des Richters gegossen wurde, konnte ihr nichts anhaben. Und auch das Ausreißen ihrer Augen überlebte die Jungfrau. Schließlich starb Lucia um 304 oder 310 nach Christus an einem Schwertstich (wikipedia.org)  in den Hals.

Der Weihnachtsmann ist eine reine Erfindung, die aus mehreren Figuren, darunter dem Nikolaus und Knecht Ruprecht, entstand. Von ihnen übernahm er seine optischen Merkmale und wurde zu dem alten Mann mit Rauschebart und rot-weißem Gewand.

Zudem ist er in Amerika eine populäre Märchengestalt zur weihnachtlichen Zeit, die als Vorlage für diverse Filmproduktionen diente und demnach auch in Deutschland eine wachsende Anhängerschar fand. Mit der Zeit gelang es ihm, das Christkind als Überbringer von Geschenken am Abend des 24. Dezembers zu verdrängen.

In der modernen Weihnachtswelt ist inzwischen eine friedliche Co-Existenz von Weihnachtsmann, Christkind und Nikolaus möglich.

 

 

 

Nach monatelangem Reisen und zwei Atlantik- Überquerungen auf Segeljachten ist die Klimaaktivistin Greta Thunberg nach eigenen Angaben auf dem Heimweg – „in überfüllten Zügen durch Deutschland“, wie sie auf Twitter schrieb.

Dazu stellte die 16-jährige Schwedin am Samstagabend ein Foto, das sie mit viel Gepäck auf dem Boden eines ICE zeigt. „Und ich bin endlich auf dem Heimweg!“, schrieb sie.

Nach Angaben der Bahn hat Thunberg bei ihrer Zugfahrt auch einen Sitzplatz in der Ersten Klasse benutzt. Demnach reiste sie am Samstag von Zürich nach Kiel – zwischen Kassel und Hamburg auf einem Sitzplatz in der Ersten Klasse, wie die Bahn am Sonntag mitteilte. Dies hätten Recherchen zum Reiseverlauf ergeben.

Aus Thunbergs Umfeld gab es dazu auf eine entsprechende Anfrage zunächst keine Reaktion. Später twitterte die 16-Jährige allerdings noch einmal selbst: „Wir saßen in zwei verschiedenen Zügen auf dem Boden“. Nach Göttingen habe sie einen Sitzplatz bekommen. Das sei kein Problemgewesen, sie habe auch nie gesagt, dass es ein soches sei. Überfüllte Züge seien ein tolles Zeichen, denn es bedeute, dass die Nachfrage nach Zugreisen hoch sei.

Für Thunberg gehen viereinhalb Monate fernab der schwedischen Heimat zu Ende. Sie war Anfang August gestartet, hatte nach einer Atlantik-Überquerung mit einer Segeljacht unter anderem am UN-Klimagipfel in New York teilgenommen und sich später per Katamaran auf den Rückweg nach Europa gemacht, wo sie auf der Weltklimakonferenz in Madrid eine Rede hielt. Thunberg fliegt nicht, weil dabei besonders viele klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen werden.

Und damit hat sie eine Art des Reisens kennengelernt, die in Deutschland nicht unüblich zu sein scheint, wenn man sich die Twitter-Reaktionen ansieht. Greta ist nun offiziell Mitglied im „Club der Reservierungs-Geschädigten“ (jetzt.de).

Gretas Fotografenteam ist wieder ein bewegendes Bild gelungen: Die sechzehnjährige Klima-Ikone sitzt in abgetragenen Jogginghosen und alten Turnschuhen zwischen ihrem Gepäck auf dem Boden eines deutschen ICE. Ihr Blick ist traurig in die Ferne gerichtet, das kindliche Gesicht von einem mystischen Lichtschein illuminiert – eine perfekte Inszenierung!

Mit der Deutschen Bahn ist es wie mit dem Klimawandel. Man kennt das Problem, will es aber entweder nicht wahrhaben oder ist sich der Dimension nicht bewusst. Man glaubt immer noch, man habe ja Zeit. Aber leider läuft uns diese davon. Dass Greta zwei Stunden bei ihrer Fahrt durch Deutschland einen Sitzplatz hatte ist uninteressant; genauso wie die Tatsache, ob deren Koffer auf dem Bild vor dem Feuerlöscherschrank stand und irgendein Zugbegleiter ihr „gerne“ einen anderen Platz für den Koffer gesucht hätte. Fakt ist: ein Zug ist ausgefallen, nicht das erste und wohl auch nicht das letzte Mal.

Greta Thunberg trifft fortwährend auf unreife Erwachsene, auf allen Ebenen.

Politiker, die sie trifft, sind nicht reif genug, Greta Thunberg zu erklären, wie die Lage wirklich ist.

Eine Jugendliche nennt Fakten – wissenschaftlich untermauert – und stellt Fragen. Zu Recht, wenn auch unangenehm. Wir können sie nicht zu Genüge beantworten. Leere Worthülsen, bedeutungsloses Gestammel …

Wann kommt der konsequente Umbau der Wirtschaft? Wer kann das richten? Die Fahrt muss für uns alle weitergehen – hoffentlich mit Sitzplatzreservierung!

Die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sind seit der russischen Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel so belastet wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Die EU hatte im Ukrainekonflikt 2014 Sanktionen gegen Russland verhängt. Kremlchef Wladimir Putin antwortete darauf mit einem Embargo auf Lebensmittel aus der EU. „Russland und die EU bleiben wichtige Handelspartner“, betonte Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Die Nachbarn seien aber auch in der Lage, gemeinsam Verantwortung für Frieden, Wohlstand und Sicherheit zu tragen.

Nach Jahren der Konfrontation hat Lawrow nun der Europäischen Union einen „Neustart“ in den Beziehungen angeboten. Unter der neuen EU-Führung in Brüssel gebe es „Anlass, ernsthaft darüber nachzudenken, wer wir füreinander in einer sich rasch verändernden Welt sind“, schrieb Lawrow in einem Beitrag für die Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta (handelsblatt.com).

Auch in deutschen Gazetten war bereits im Oktober des Jahres von entsprechenden Bestrebungen zu lesen (reuters.com, 17.10.2019). Hintergrund der Debatte ist, dass es seit dem Amtsantritt des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Bewegung im Konflikt mit Russland gibt. So kam es unlängst zu einem Gefangenenaustausch der Konfliktparteien. Fünf Jahre nach Verhängung der ersten Strafen im Zusammenhang mit der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim haben aber auch mehrere Ministerpräsidenten vor allem in Ostdeutschland eine Lockerung der Sanktionen gefordert. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron plädiert dafür, die EU-Russland-Politik neu aufzustellen.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine läuft bereits im sechsten Jahr. Viele westliche Staaten haben Sanktionen gegen Russland verhängt. Die Beziehungen zwischen den europäischen Staaten und Russland sind nachhaltig beschädigt. Jahrelang war nun nicht klar, ob und wie sich das ändern könnte – Emmanuel Macron hat einen Vorstoß gewagt. Ende August warb er in einer Rede vor den Botschaftern Frankreichs dafür, auf Russland zuzugehen.

Die Aufhebung der Sanktionen sollte aber an Fortschritte beim Minsker Friedensprozess für die Ostukraine geknüpft werden. Eine unkonditionierte Aufhebung der Sanktionen ist nicht im Interesse der EU. Jene sollte Russland vielmehr Anreize bieten. Letztlich gibt es Profiteure etwa in China, weil von dort Produkte geliefert werden, deren Export aus der EU untersagt wird. Der russisch-chinesische Handel ist mittlerweile fast doppelt so groß wie der deutsch-russische – der Abstand wächst! (reuters.com, a.a.O.).

Macron möchte nun einer weiteren Annäherung Russlands an China zuvorkommen. In den internationalen Reaktionen auf seine Rede war schnell von einem „Neustart“ der Beziehungen mit Russland die Rede, von einer „Reset-Politik“. Bei Frankreichs Verbündeten stieß dies teils auf Skepsis – in der Ukraine sorgt es für Entsetzen. Rostyslav Pavlenko, der als stellvertretender Chef der Präsidialadministration des ehemaligen Präsidenten Poroschenko auch den Krieg mit zu führen hatte, glaubt nicht, dass Diplomatie zu einem Durchbruch in der Ostukraine führen kann, schon gar kein Reset-Knopf (deutschlandfunk.de, 02.12.2019).

Wie geht’s weiter nach der Eiszeit? Der viel beschworene »zivilgesellschaftliche Dialog« findet kaum statt. Denn bei aller berechtigter Kritik der Bundesregierung – zu nennen wären beispielsweise die Repression gegen Menschenrechts- und Umweltorganisationen – reagiert die deutsche Seite ihrerseits höchst ungehalten auf russische Vorwürfe. Bleibt nur noch die Wirtschaft. Aber anstatt nur Annäherung durch Handel zu betreiben, was vor allem der Exportwirtschaft nutzt, braucht es eine Perspektive für die künftigen Beziehungen beider Länder. Denn die Menschen in Russland sind genauso beunruhigt über die wachsenden Spannungen in Europa wie die Deutschen. Höchste Zeit für die Politik, wieder von den Gemeinsamkeiten in beiden Ländern auszugehen.

„Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ wird nicht reichen, um voranzukommen.

Ohne stärkere Beziehungen zu Russland droht die EU zwischen den beiden Supermächten China und USA zerrieben zu werden. Die EU muss souveräner werden, d.h. selbstbewusster auftreten und sich unabhängiger Machen. Ob wir dazu eine wirtschaftliche Supermacht werden müssen, sei dahingestellt. Im Grunde ist es auch egal. Wichtig ist, dass die Europäische Union gleichberechtigt neben USA, Russland und China steht. Nur dann kann sie auch überleben – anders blüht uns das Vasallentum.

Die Ukraine hat einen neuen Präsidenten, Selenskyj. Warum nicht die Beziehungen zur Ukraine und die zu Russland gemeinsam und gleichzeitig neu aufstellen?!