Um die Wiedervereinigung gab es in Deutschland die Diskussion, ob man mit der Vereinigung nicht eine neue Nationalhymne einführen sollte. Man beließ es aber bei der dritten Strophe des „Liedes der Deutschen“. Jetzt, im Zuge der Europawahl und der zunehmenden Integration Deutschlands in die Europäische Union wird die Diskussion wieder angestoßen vom thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke). Zugleich sind auch die Kritiker wieder auf dem Plan.

Ramelow aber weist die Kritik an seinem Vorschlag, über eine neue Nationalhymne zu diskutieren, zurück. Das „Lied der Deutschen“ sei während der Wiedervereinigung ohne Diskussion zur Hymne geworden, obwohl der damalige Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maiziere, einen alternativen Vorschlag gemacht habe (welt.de). Er schlug den Text von Brechts „Kinderhymne“ als neue Nationalhymne vor.

De Maiziere hatte angeregt, den Text der DDR-Hymne mit der Melodie von Joseph Haydn zu verbinden und sei dafür „ziemlich arrogant abgebürstet worden“, sagte Ramelow. „Dabei wäre es doch klug gewesen, mit einer gemeinsamen neuen Hymne auch ein Symbol für die deutsche Einheit zu finden.“

Er bedaure, „dass wir vor 29 Jahren, als die demokratisch gewählte Volkskammer der DDR und der Bundestag sich auf den Weg zur deutschen Einheit gemacht haben, keine längere Diskussion über eine andere Nationalhymne geführt haben, in der sich alle wiedererkennen können“.

Ramelow bekräftigte, dass er „kein Problem“ mit der von Hoffmann von Fallersleben gedichteten Nationalhymne habe. Er „singe die dritte Strophe gerne mit“ und „kenne auch den Entstehungskontext der ersten beiden Strophen“. Fallersleben habe ein Befreiungslied geschrieben. Er könne aber nicht ausblenden, was die Nazis aus der ersten Strophe gemacht hätten. Zudem wisse er, was gemeint sei, wenn Rechtsradikale heute ,Deutschland, Deutschland, über alles‘ sängen.

Der Ministerpräsident Thüringens spricht sich für einen Hymnen-Wettbewerb aus (epochtimes.de). Er selbst fände die im Jahr 1950 von Bertolt Brecht gedichtete Kinderhymne in Kombination mit Haydns Melodie „eine bessere Variante“. Der Text von Brecht sei „ein humanistisches Bekenntnis, da steht niemand über oder unter jemand anderem. Ich kann die Empörung über meinen Vorschlag jedenfalls nicht verstehen“. Am heftigsten werde er von denen attackiert, die am liebsten die erste Strophe sängen.

Muss es immer so kompliziert sein mit der deutschen Hymne? Was ist mit Frankreich oder England, wo die Fußballfans bei Länderspielen zu Beginn einfach die Marseillaise und „God Save the Queen“ singen?!

Vor 1918 hatte das Kaiserreich keine offizielle Hymne; gebräuchlich sind die Kaiserhymne „Heil dir im Siegerkranz“ (auf dieselbe Melodie wie „God Save the Queen“) und die „Wacht am Rhein“ („Lieb Vaterland, magst ruhig sein“).

Weimar: Der Weltkriegsmythos, 1914 bei Langemark in Belgien seien junge Rekruten mit „Deutschland, Deutschland über alles“ auf den Lippen in den Tod gestürmt, verschafft dem Deutschlandlied viel Renommee. Friedrich Ebert erklärt es 1922 zum offiziellen Lied der Republik.

NS-Zeit Die Nationalsozialisten lassen ab 1933/34 nach der ersten Strophe des Deutschlandlieds ihre Parteihymne, das Horst-Wessel-Lied, singen („Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen, SA marschiert mit ruhig festem Schritt“). Dazu wird der Hitlergruß Pflicht (wikipedia.de).

Nach 1945 Vor allem besteht zunächst Unklarheit; erst 1952 legten Theodor Heuss und Konrad Adenauer „Einigkeit und Recht und Freiheit“ als Hymne fest. Noch 1949 wird beim Kölner Steherrennen als Ersatz „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ gespielt (rp-online.de).

Man darf gespannt sein, wie sich das Ganze entwickelt. Es sei darauf hingewiesen, dass unsere Hymne mittlerweile schon fast hundert Jahre alt ist. Wir haben eine Tradition, welche mit unserem Staat gewachsen ist.

Nicht zuletzt ist entscheidend, dass bis 1990 das ganze „Lied der Deutschen“ die Nationalhymne war und bei öffentlichen Anlässen nur die dritte Strophe gesungen wurde.

Seit 1991 ist nur noch die dritte Strophe des „Deutschlandliedes“ die deutsche Nationalhymne (wikipedia.de). Wir sind nicht über, sondern unter anderen in Europa, Herr Ramelow …

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