Liebe Depressive,

 Pierre Mathiasseit Jahren leide ich immer wieder an Depressionen. Sie kommen oft ohne einen speziellen Grund und lähmen mich ganz einfach. Deshalb habe ich mir vorgenommen, eine Analyse zu machen, die mehr als zehn Jahren dauerte. Sie hat mir äußerst viel gebracht und mir die notwendige Energie verliehen, um auch im Alter aktiv zu sein. Ich besitze ein gutes Instrumentarium, um mich gegen seelische Angriffe zu wehren. Dennoch sind auf dieser Strecke noch immer tiefe Löcher vorhanden, die mich sehr belasten. Immer wieder der Eindruck, in eine Falle zu geraten, die mich erstickt. Langsam kam mir das spanisch vor. Auf Rat einer sehr engen Freundin bin ich zum Arzt gegangen, um mein Blut untersuchen zu lassen. Ihre Vermutung war richtig, dass es sich um einen somatischen Mangel handelt. Hätte mir mein Leidensweg, der sich über mehr als 40 Jahre vollstreckte, erspart werden können? Wenn ja, wäre ich die Persönlichkeit, die ich heute bin? Hätte ich die Sensibilität, die jeder Kreative braucht, um etwas auf die Beine zu stellen? Wer wäre ich heute, wenn ich mich über Jahren mit Chemikalien voll gepumpt hätte? Fragen, die ich nicht beantworten kann.

Aber eines ist sicher. In einer Zeit in der die Seelenklempner Hochkonjunktur haben, kommen nur wenig Patienten auf die Idee, somatische Ursachen in Erwägung zu ziehen. Die Psychologie ist ein Milliarden-Geschäft geworden, bei dem man sich eine goldene Nase verdienen kann. Wer schlachtet schon gern eine Henne, die goldene Eier legt? Ich vermute, dass eine Menge Menschen falsch behandelt werden. Das wäre das Aus für manche Scharlatane der Psycho-Branche. In meinem Bekanntenkreis kenne ich jemanden der jahrelang wegen Depressionen behandelt worden ist, bis man endlich darauf kam, dass es sich um einen Mangel an Lithium handelte. Die Konsequenzen dieser Fehldiagnose waren mehr als schlimm. Ich appelliere deshalb an euch, liebe Leidensgenossen. Lasst euch das Blut abnehmen, um zuerst feststellen zu können, ob es sich wirklich um eine psychologische Störung handelt oder nicht. Nur dann wäre eine Psychotherapie vonnöten.

Leider tummeln sich in der Psychologie eine Menge Menschen, die keine Ahnung haben. Öfter habe ich bemängelt, dass diese Berufe kaum geschützt sind. Nicht dass ich jedem Akademiker über den Weg traue, aber Grundkenntnisse sollten vorhanden sein. Hinzu kommt der esoterische Touch, der immer wieder auftritt. Das ist aus meiner Sicht gefährlich. Liebe Depressive, lasst euch davon nicht verseuchen. Versucht meinem Beispiel zu folgen und fragt euch, warum ihr down seid. In der Regel gibt es handfeste Gründe es zu sein. Wenn ja, sollte gezielt gehandelt werden. Und vor allem sollten die richtigen Leute gefunden werden. Eines steht aber fest, der beste Therapeut ist der eigene Verstand. Leider habe ich Jahrzehnte gewartet, um die richtige Maßnahme zu ergreifen. Das trotz zahlreicher Filme, die ich im psychiatrischen Milieu gedreht habe, trotz der persönlichen Erfahrungen, die ich in meinem Umkreis gemacht habe. Vielleicht hätte ich mir viel Leid erspart. Die Frage stellt sich, ob ich das wirklich wollte. Wahrscheinlich gehört der Schmerz zu meiner Persönlichkeit? Fordert er mich? Wenn ich es nur wüsste!

//pm

Link zum Thema Psychosomatik:

http://de.wikipedia.org/wiki/Psychosomatik

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